Bester Stoff aus dem Erzgebirge: Adventssterne

Der Haßlauer Weihnachtsstern in klassischer Farbausführung

Der Haßlauer Weihnachtsstern in der Farbausführung Rot-Weiß-Gold (Foto: Matthias Wild)


Erzgebirger Adventssterne (auch: Erzgebirger Weihnachtssterne) sind Papiersterne, die im sächsischen Erzgebirge konstruiert und hergestellt wurden bzw. werden.

Vorbild für die Adventssterne aus Papier ist der Herrnhuter Stern der Gemeinen Herrnhuter Brüder. Durch die rege Missionstätigkeit dieser Freikirche wurde der Herrnhuter Stern in der ganzen Welt bekannt, unter anderem auch im protestantisch geprägten Erzgebirge. Seit 1925 ist der Herrnhuter Stern durch ein Reichspatent rechtlich geschützt und darf nur von der Herrnhuter Sterne GmbH hergestellt werden. Aus diesem Anlass entwickelte man im Erzgebirge, aber auch in anderen Teilen Sachsens, eigene Adventssterne. Dazu gehören der Annaberger Faltstern, der Hartensteiner Weihnachtsstern, der Haßlauer Weihnachtsstern, der Zwickauer Adventsstern, der Ehrenfriedersdorfer Adventsstern und der Sebnitzer Adventsstern.

Annaberger Faltstern

Benannt ist der Stern nach dem Herstellungsort Annaberg im Erzgebirge. Dort wird er seit 1924 in Handarbeit gefertigt. Damals konstruierte der Kartonagenfabrikant Karl Friedrich einen faltbaren Adventsstern aus Papier, der bald als Friedrich-Stern über das Erzgebirge hinaus bekannt wurde. Seit 1926 ist der Stern patentrechtlich geschützt. Die Lizenz für den Stern mit den 18 Zacken erwarb die Buchbinderei Kraft, die den Stern auch heute noch in Handarbeit herstellt. Der Papierstern wird so zusammengefaltet, dass er in eine flache Schachtel passt. Solcherart verpackt gelangt er in den Handel. Mit einem einzigen Handgriff wird er zum räumlichen Objekt aufgefaltet. Der Annaberger Faltstern wird in verschiedenen Größen, Farben und Formen gefertigt.

Heimseite: Annaberger Faltsterne

Annaberger Faltstern (Foto: Markscheider)

Annaberger Faltstern
(Foto: Markscheider)

Erzgebirgischer Fensterstern

Der flache Erzgebirgische Fensterstern basiert auf dem Annaberger Faltstern und wird wie dieser zur Verwendung einfach auseinander- bzw. wieder zusammengefaltet. Beide Faltsterne werden in derselben Manufaktur in Annaberg-Buchholz hergestellt. Der Fensterstern findet – wie der Name es bereits andeutet – zumeist Platz in Fensternischen sowie an Wänden oder Türen. Da es sich um einen Papierstern handelt, wird er nur in Innenräumen aufgehängt.

Heimseite: Erzgebirgischer Fensterstern

Hartensteiner Advents- & Weihnachtsstern

Benannt ist der Adventsstern nach seinem Herstellungsort Hartenstein im Erzgebirge. Dort wird der Stern bereits in der vierten Generation von einem Familienbetrieb in Handarbeit gefertigt. Im Gegensatz zum Herrnhuter besitzt der Hartensteiner Stern einen Grundkörper. Der Grundkörper ist ein Pentagondodekaeder und besteht aus drei verschiedenen Kartonarten, auf die zwölf Zacken aufgesteckt werden. Die Zacken bestehen aus Spezialpapier, das mit Aluminumfolie kaschiert und mit Leuchtpapier hinterlegt wird. Insgesamt besteht der Hartensteiner Weihnachtsstern aus 154 Einzelteilen und findet ausschließlich in Innenräumen Verwendung. Die Ursprünge des Adventssterns gehen auf Oswald Härtel (1864–1943) zurück, der 1908 in Hartenstein einen Laden mit Werkstatt eröffnete. Als Buchbindermeister reparierte er Bücher und stellte Schuhkartons her. Irgendwann in der Zwischenkriegszeit konstruierte Oswald Härtel zu privaten Zwecken einen Adventsstern, der fortan zum Weihnachtsschmuck seiner Stube gehörte. Dieses Einzelstück war nicht zum Auseinandernehmen. In den Kriegswirren ging das Unikat verloren, was blieb war ein Foto. Als sein Sohn Martin (1911–1978), von Beruf ebenfalls Buchbinder, im Jahr 1945 das Foto entdeckte, beschloss er, diesen Stern nachzubauen. Für ihn war es allerdings wichtig, den Stern so weiterzuentwickeln, dass er auseinander genommen und über das Jahr in einer Schachtel aufbewahrt werden konnte. Mit diesem Prototypen reiste der Gehörlose im Jahr 1948 zur Leipziger Messe. Sein Sohn Peter (* 1939) übernahm den Beruf des Vaters und wurde ebenfalls Buchbinder. Seit 1960 stellt die Buchbinderei Härtel ausschließlich Hartensteiner Adventsterne her.

Heimseite: Hartensteiner Weihnachtssterne

Zwickauer Adventsstern

Der Zwickauer Adventsstern heißt nach seinem Entstehungsort, der sächsischen Stadt Zwickau am Rande des Westerzgebirges. Um 1980 reifte nahe des Zwickauer Domes die Idee, eigene Weihnachtssterne aus Papier anzufertigen. Diese wurden zunächst nach Feierabend gefertigt. Heute werden die Sterne in Handarbeit von einem mittelständischen Familienbetrieb vor den Toren der Stadt Zwickau hergestellt.

Heimatseite: Zwickauer Adventssterne

Haßlauer Weihnachtsstern

Benannt ist der Stern nach seinem Entstehungsort Haßlau im Erzgebirge. Dort wird der Stern seit 1985 in Handarbeit gefertigt. Matthias Wild aus Wilkau-Haßlau konstruierte Mitte der 1980er Jahre einen Stern mit zwölf Spitzen, der damals noch mit Musterklammern zusammengehalten werden musste. Mitte der 1990er Jahre ermöglichten technische Modifikationen, dass die Sternspitzen aufgedreht werden konnten. Haßlauer Weihnachtsterne sind in mathematischer Hinsicht Sternkörper. Der Grundkörper ist ein Dodekaeder, ein von zwölf Flächen gebildeter Körper. Das bedeutet, dass alle zwölf aufgesteckten Sternspitzen gleiche Größe und Form haben – im Gegensatz zum Herrnhuter Stern. Das Set besteht aus dem Grundkörper mit einer vormontierten Sternspitze und komplett eingebauter elektrischer Beleuchtung, auf den dann die elf anderen Sternspitzen aufgedreht werden. Haßlauer Weihnachtssterne gibt es für Innen und Außen.

Heimatseite: Haßlauer Weihnachtssterne

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Ehrenfriedersdorfer Adventsstern

Benannt ist der Stern nach der Stadt Ehrenfriedersdorf im Westerzgebirge. Hersteller des Sterns war der VEB Verpackungsmittelwerke Ehrenfriedersdorf, der gegenwärtig nicht mehr existiert. Der Ehrenfriedersdorfer Stern wird darum heutzutage nicht mehr gewerblich gefertigt. Ein Exemplar des Papiersterns aus dem Jahr 1985 gehört mittlerweile zur Objektdatenbank des Leipziger Museums für Stadtgeschichte. Auch beim Ehrenfriedersdorfer Adventsstern ist der Grundkörper ein Pentagondodekaeder, also ein von zwölf Fünfecken gebildeter Körper. An diesem Stermittelteil werden die roten und mit Goldpapier umrandeten Zacken mittels Papierlaschen („Verbindungsstege“) in Steckschlitzen befestigt. Ehrenfriedersdorfer Adventssterne waren ausschließlich für die Verwendung in Innenräumen gedacht.

Heimseite: Ehrenfriedersdorfer Adventsstern

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Sebnitzer Adventsstern

Benannt wurde dieser Papierstern nach der sächsischen Kreisstadt Sebnitz im Vorland des Osterzgebirges. Dieser Stern wird laut meinem Kenntnisstand nicht mehr fabriziert.

Sebnitzer Adventsstern (Foto: Markscheider)

Sebnitzer Adventsstern
(Foto: Markscheider)

Tradition

Adventssterne gehören wie der Schwibbogen, die Weihnachtspyramide und das Räuchermannl zur erzgebirgischen Weihnachtsdekoration. Die Aufhängung des Sterns wird je nach Tradition unterschiedlich gehandhabt. Mancherorts hängt er bereits ab Montag nach Totensonntag, wenn das alte Kirchenjahr vorbei ist. Andernorts hängt er ab dem ersten Adventssonntag, wenn das neue Kirchenjahr offiziell beginnt. Abgenommen wird er je nach Tradition am 6. Januar (Hochneujahr) oder am 2. Februar (Mariä Lichtmess). Die Stromindustrie empfiehlt die ganzjährige Verwendung.

~
Fotos: Matthias Wild (3), Markscheider @ Wikipedia (4)

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s