Whistleblow: Gibt es die 3te Generation Ost noch?

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Als Dritte Generation Ostdeutschland wird die letztgeborene Generation der DDR bezeichnet. Diese Generation existiert als soziologische Größe unabhängig von irgendwelchen Initiativen und Vereinen. Der Netzwerk-Initiative ›3te Generation Ost‹ hingegen muss Leben eingehaucht werden, damit sie existiert. Aber wer bespielt dieses Netzwerk eigentlich?

»Ich sei, gewährt mir die Bitte,
in eurer Initiative der Dritte!«

Am 30. November 2013 lud Adriana Lettrari zum jährlichen Generationstreffen der Initiative 3te Generation Ost ins Collegium Hungaricum Berlin (CHB) ein und nicht alle-alle kamen. Der Saal, in den vergangenen Jahren immer bis auf den letzten Platz belegt, war diesmal halbleer. Die Hälfte der Hälfte war noch dazu Journaille oder zweite Generation oder was weiß ich, jedenfalls nicht die Zielgruppe. Die Presse berichtete trotzdem relativ umfangreich über dieses Generationstreffen, was wohl auch in der Partnerschaft mit dem Tagesspiegel begründet liegt.

Zwei Wochen später fand im selben Saal das Demographie-Lab des Vereins Perspektive hoch drei statt. Der Verein besteht aus ehemaligen Aktivisten der Initiative 3te Generation Ost. Der Saal war brechend voll, in den Medien war darüber allerdings nichts zu erfahren. Dumm gelaufen oder Absicht?

Eine Antwort auf diese Frage wird dieser Beitrag nicht liefern können, denn ick weeß et ehrlich jesacht nich. Ich kann nur schildern, wie es so weit gekommen ist. Ich gehöre zwar nicht zu den Gründern der 3ten Generation Ost, aber ich war bei den Anfängen dabei. Die Gründungskonferenz im Sommer 2011 habe ich noch als Einzelwesen besucht, herausgegangen bin ich aus der Veranstaltung allerdinx als Mitglied einer ganzen Generation. Tolle Sache, das. Endlich mal jemand, der laut das aussprach, was mir leise durch den Kopf waberte. Der Funke war übergesprungen und der Kontakt hergestellt. Im Frühsommer 2012 ging’s mit der 3ten Generation und einem riesigen Reisebus auf die bewusstseinserweiternde Magical Mystery Tour durch den Osten. Fünf Länder in elf Tagen. Im August erschien dann unser Buch Wer wir sind, was wir wollen. Im November 2012 fand die zweite Konferenz, das sogenannte Generationstreffen, statt. Diesmal gehörte ich zum zweiköpfigen Organisationsteam, dass von vielen ehrenamtlichen Helfern tatkräftig unterstützt wurde. Der Saal im CHB war wieder gerammelt voll.

Das Wendekind schön schaukeln.

Nach dem ganzen Ereignismarathon (Konferenz I+II, Bustour, Buch, monatliche Netzwerktreffen) sollte es 2013 zu einer Neuorientierung der Initiative kommen. Die Aktivistengruppe wollte einen Verein gründen, um die Initiative auf eine demokratische Basis zu stellen. Bisher fungierte die Wendekind gUG als deren Träger. Einen Träger braucht man, wenn man Förder- oder andere öffentliche Mittel einsammeln und abrechnen will. Wendekind ist eine gemeinnützliche Mini-GmbH, die auf den Namen von Adriana Lettrari eingetragen ist und 2011 eigens zu diesem Zweck gegründet worden war. Die Gruppe meinte nach zwei Jahren, die Mini-GmbH habe ihre Aufgabe mittlerweile erfüllt und ein demokratischer Verein solle nun an die Stelle von Wendekind treten. Die gemeinnützige Unternehmerin war da anderer Meinung, sie wollte das Wendekind weiter in ihren Armen halten und die Fäden in der Hand behalten. Adriana auf dem Egotrip.

Weiß Babbel mehr?

Weiß Babbel mehr?


Das kann man verstehen, denn Adriana hatte 2010 den Initialgedanken zu der ganzen Generationssache. Andererseits muss man auch sagen, dass Adriana als Firmeninhaberin wie eine Chefin auftreten und das Netzwerk wie eine Privatveranstaltung führen kann. Was sie auch gemacht hat und die anderen spüren ließ.

Vereint entzweit.

Das musste der im Frühjahr 2013 frisch gegründete Verein Dritte Generation Ostdeutschland schmerzlich erfahren, als es um die Verwendung des Netzwerknamens »3te Generation Ost« sowie die Benutzung des rosa Logos und der Homepage ging. Die waren zwar gemeinsam erdacht und erarbeitet worden, aber auf Wendekind eingetragen und sollten es laut herbeibemühtem Rechtsbeistand auch bleiben. Man kann sagen, Adriana Lettrari hat ihre vielbeschworene Transformationserfahrung ganz gut genutzt und ist im System der westdeutschen Vertragsgesellschaft angekommen.

Flugs löste die Gruppe den Verein nach nur drei Monaten (20. März bis 25. Juni 2013) wieder auf und gründete einen anderen Verein, diesmal ohne Adriana und ohne »Generation« im Namen: Perspektive hoch drei. Da sich beide Akteure auf dem gemeinsamen Spielfeld »Dritte Generation Ostdeutschland« tummeln, wäre längst eine Pressemeldung fällig gewesen, die der Öffentlichkeit signalisiert, so und so schaut es jetzt aus. Doch nichts dergleichen. Ich glaube nicht, dass der Tagesspiegel davon wusste, als er das jüngste Generationstreffen als Medienpartner begleitete. Ich glaube auch nicht, dass die Aktivisten in den neuen Netzwerkknoten von Sachsen, Meck-Pomm oder sogar in den USA davon wissen. Man lässt sich vom Bundespräsidenten ins Schloss Bellevue einladen und tut nach außen so, als wäre alles paletti.

Die oberen Zehntausend.

In dieser Trennungsphase ergab es sich zu allem Überfluss, dass wir von der SPD den Gustav-Heinemann-Bürgerpreis verliehen bekamen, im Mai 2013. Dotiert mit 10.000 Euro. Der Tipp kam von SPD-Mitgliedern, die mit uns sympathisierten und uns nominierten. Auch ich reichte sicherheitshalber einen Vorschlag ein, denn das Geld konnten wir dringend gebrauchen. Die Förderung unseres bisherigen Mäzens, der Stiftung Aufarbeitung, war im Dezember 2012 ausgelaufen. Als wir den Bürgerpreis erhielten, wurde nach einer einvernehmlichen Lösung gesucht, wie wir das Geld zwischen Wendekind und der übrigen Gruppe gerecht aufteilen konnten. Da das Gründerteam der Initiative aus zehn Leuten bestand, einigte man sich darauf, jedem Gründungsmitglied eintausend Euro auszuhändigen. Das Geld sollte dann wieder in die jeweilige Organisation (Wendekind oder Perspektive³) zurückfließen. So war es gedacht. Allerdings waren bereits zwei kluge Köpfe aus dem Gründerteam ausgestiegen, da waren’s nur noch acht.

Adriana Lettrari und Hagen Pietzcker steckten ihre 2500 Euro in die Wendekind, die anderen sechs Gründer … ich weiß es ehrlich gesagt nicht, es wird nichts kommuniziert. Auf dem jüngsten Generationstreffen sagte Adriana von der Bühne herab, dass sie das Generationstreffen mit dem Preisgeld des Bürgerpreises bezahlt habe. Das habe ich so registriert. Vom Verein gab es bisher keinerlei Auskunft. Die Öffentlichkeitsarbeit schleift ungemein – und das nach drei Jahren bester Presseerfahrung! Ich verstehe es nicht. Ich verstehe diese ganze unprofessionelle Heimlichtuerei nicht. Ist die 3te Generation Ost womöglich ein Geheimbund?

Das Höchste der Gefühle auf dem Treffen der Generationen im November 2013.

Das Höchste der Gefühle auf dem Treffen der Generationen im November 2013.


Die Netzwerk-Initiative hat es geschafft, sich auf dem Höhepunkt ihrer Popularität und mitten im Marathonlauf selbst ein Bein zu stellen. Coitus interruptus, die Luft ist raus. Das Merkwürdige ist, dass man durch Verschwiegenheit versucht, nach Außen hin ein Bild zu wahren, und erstaunlich, dass dabei so viele mitmachen. Den Hauptteil zur Demontage der Initiative hat allerdings eindeutig die Gründerin beigetragen.

Nun kann ich meine Hoffnung nur noch auf die einzelnen Aktivisten setzen. Von Anfang an war die Initiative auf eine dezentrale Struktur – das Netzwerk eben – angelegt. Wir wollten keine neue Partei mit festem Parteiprogramm sein, keine Bürgerbewegung mit einheitlicher Meinung, keine homogene Gruppe mit gemeinsamen Ziel. Es ging immer um die Erfahrungen und das Engagement des Einzelnen. Das war auch schon immer die Schwäche der Initiative, aber es ist auch eine Stärke.

Ich wünsche der Dritten Generation Ost auf Ihrem weiteren Lebensweg alles Gute!

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