90 Jahre Hard Bop: Jimmy Cobb & Charlie Persip

Bopper werden gemeinhin nicht alt. Aber das Geburtsjahr 1929 scheint da eine Ausnahme zu sein. Neben dem Komponisten Benny Golson erreichten 2019 auch die Jazz-Drummer Jimmy Cobb und Charli Persip ein stolzes Alter von 90 Jahren.

Jazz-Musiker sterben für gewöhnlich früh. Entweder an den Folgen ihrer Heroinsucht oder durch andere Kalamitäten. Lee Morgan (33) wurde von seiner Frau erschossen. Richie Powell (24), der Trompeter Clifford Brown (25) und der Bassist Doug Watkins (27) starben bei Verkehrsunfällen. Der Trompeter Fats Navarro wurde nur 26 Jahre alt, Paul Chambers verstarb mit 33, Charlie Parker mit 34, Bobby Timmons mit 38, Wynton Kelly mit 39, Coltrane mit 40, Grant Green mit 43, Wes Montgomery mit 45 Jahren und Cannonball Adderley mit 46 Jahren.

Aber es gibt auch Ausnahmen. Wayne Shorter feierte jüngst seinen 86. Geburtstag, und Lou Donaldson ist sogar biblische 92 Jahre alt! Die beiden Schlagzeuger Jimmy Cobb und Charlie Persip konnten dieses Jahr immerhin ihren 90. Geburtstag begehen. Jimmy Cobb trommelte eine Zeitlang für Miles Davis und das Wynton Kelly Trio, und Charlie Persip schlagzeugerte für Dizzy Gillespie, Hank Mobley und Lee Morgan.

Eigentlich war Philly Joe Jones für Miles Davis der Drummer der Wahl. Allerdings hatte Miles, inzwischen clean geworden, von Philly Joes Heroinsucht die Nase voll und ersetzte ihn kurzerhand durch Art Taylor. Als Miles während einer Konzertreihe im Café Bohemia allabendlich an dessen Art der Verwendung der Hi-Hats herumnörgelte, packte Taylor mitten im Set seine Sachen und verschwand auf Nimmerwiedersehen. Am Abend darauf saß Jimmy Cobb hinter den Becken, und es begann eine längerfristige Zusammenarbeit.

Wilbur James Cobb (* 20. Januar 1929) trommelte beispielsweise auf den Jazz-Klassikern „Porgy and Bess“, „Someday My Prince Will Come“, „Sketches of Spain“ und „Kind of Blue“. Durch die Arbeit mit Miles befreundete er sich mit dem Pianisten Wynton Kelly. Zusammen mit dem Bassisten Paul Chambers wurde Cobb Bestandteil des Wynton Kelly Trios. Das Dreigestirn begleitete als einzigartige Rhythmusgruppe Wes Montgomery bei seinen Live-Auftritten zu „Smokin‘ at the Half Note“, „Smokin‘ Guitar“ und „Smokin‘ in Seattle Live at the Penthouse“.

Da er als Sessionmusiker keine eigenen Kompositionen beisteuerte, womit fortlaufend Tantiemen generiert werden, erntete Cobb nichts weiter als den Ruhm. Heute gehört er verdientermaßen zu den NEA Jazz Masters und spielt hin und wieder in einer professionellen Rentnerband gleichen Namens.

Charles Lawrence Persip (* 26. Juli 1929), unser zweiter Jubilar, trommelte bei Hank Mobleys ersten Auftritten als Bandleader und musste dabei Max Roach ersetzen. Die Aufnahmen sind inzwischen als Doppel-CD mit dem Titel „Newark 1953“ erhältlich. Das Zusammenspiel klappte so gut, dass Mobley den Drummer zur Aufnahmesession für sein Album „Hank Mobley with Donald Byrd and Lee Morgan“ buchte und ihn seinem Freund und Kollegen Lee Morgan weiterempfahl.

Für Hank Mobley und Lee Morgan entstand 1958 das gemeinsame Album „Peckin‘ Time“. Charlie Persip spielte darauf mit Wynton Kelly und Paul Chambers in der Rhythmusgruppe und nahm somit den Platz ein, den später Jimmy Cobb ausfüllen sollte. Für viele Jazzfans ist das Album „Sonny Side Up“ (Dizzy Gillespie mit Sonny Stitt und Sonny Rollins) seine wichtigste Arbeit.

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