Shagbark Hickory – Schuppenrinden-Hickory

Alle Welt redet vom Klimawandel. Manche tun sogar etwas und pflanzen Bäume. Wie wäre es, wenn man es gleich richtig macht und Klimawandelgehölze pflanzt, die einen Mehrwert bieten? Beispielsweise Früchte, die man essen kann, wie beim Schuppenrinden-Hickory. Der Hickory gedeiht auch in hiesigen Breiten, liefert gerade Stämme, wertvolles Holz und leckere Nüsse.

Der kalifornische Automobilkonzern Tesla möchte noch in diesem Jahr im märkischen Grünheide eine Megafabrik errichten. Hierfür sollen bereits im Februar 90 Hektar Kiefernforst gerodet werden. Das Unternehmen hat angeboten, die gerodete Monokultur in dreifachem Umfang auszugleichen. Wie wäre es, wenn Tesla seine Ausgleichsflächen mit klimaresistenten Baumarten aus der nordamerikanischen Heimat bestücken würde? Wie wäre es mit Hickory, einem typisch amerikanischen Nussbaum?

Hickories wachsen zwar langsam, bilden dafür aber einen kerzengeraden Stamm. Die frostharten Bäume wurzeln tief und können längere Trockenzeiten gut überstehen. Das leuchtend gelbe Herbstlaub gehört zur Farbpalette des Indian Summer. Außerdem tragen Hickorys im Herbst Nüsse, die manchmal nur Tieren, aber oft auch Menschen schmecken. Bereits die amerikanischen Ureinwohner sammelten die Nussfrüchte; was sie nicht aßen, säten sie entlang ihrer Reiserouten. Das Verbreitungsgebiet der Hickorys liegt zwischen dem Mississippi im Westen, den großen Seen im Norden und dem Appalachen-Gebirge im Südosten.

Bereits in Mark Twains Jugendbuch-Klassiker über die Abenteuer von Tom Sawyer und Huckleberry Finn findet sich ein Hinweis: „Huck entdeckte in der Nähe eine Quelle mit kaltem klarem Wasser. Die Jungs machten sich aus breiten Eichen- oder Hickory-Blättern Tassen, und mit solcherart Wildnis-Charme versüßt, war ihnen das Quellwasser ein guter Kaffeeersatz.“

Fragt sich bloß, welcher Hickory gemeint ist. Genauso gut könnte man von Eichen sprechen, ohne Unterschiede zwischen Blau-Eiche, Rot-Eiche oder Schwarz-Eiche zu machen. Hickorys bilden nämlich eine eigene Gattung (es sind rund 20 Arten bekannt), darunter Pekannuss, Ferkelnuss und Spottnuss. Einige Verwandte wachsen sogar in Asien! Der Grund dafür ist folgender.

Hickorys (Carya) haben sich vor rund 70 Millionen Jahre innerhalb der Walnuss-Familie entwickelt. Damals waren Nordamerika und Eurasien geografisch noch miteinander verbunden. Die ältesten Fossilfunde stammen deshalb aus so unterschiedlichen Regionen wie Colorado, Deutschland und China. In Europa sind die Vorfahren von Königsnuss und Bitternuss allerdings mit der letzten großen Eiszeit ausgestorben – wie übrigens die meisten hiesigen Baumarten.

Das Holz des Schuppenrinden-Hickory (Carya ovata) ist besonders beliebt, beispielsweise werden Werkzeugstiele daraus gemacht. Das robuste und vibrationsfeste Holz gab sogar den Takt an, als sich im Musik-Dreieck von Nashville, Memphis und New Orleans die amerikanischen Musikstile Rhythm & Blues, Rock & Roll, Soul und Jazz entwickelten. Fast alle Drumsticks, also Trommelstöcke, werden aus Hickory gemacht. Auch im Mecklenburgischen Zettemin setzt man auf Hickory. Dazu Birger Schlenstedt von der Firma Ice Stix:

„Für die Sticks verwenden wir zu 95 Prozent Hickory. Das ist amerikanisches Walnussholz und zeichnet sich eben durch eine unheimlich hohe Dichte und Zähelastigkeit aus. Und je höher die Dichte ist, desto höher kann man das Holz auch strapazieren.“

Das harte Holz, das traditionell auch für Skier sowie Hockey-, Golf- und Baseballschläger verwendet wird, könnte man also in Zukunft selbst vor Ort wachsen lassen. Der Schuppenrinden-Hickory wird im Deutschen auch Schindelborkiger Hickory genannt. Der Grund hierfür ist die sich in Fransen ablösende Rinde, die älteren Bäumen ein struppiges Aussehen verpasst, was auch den englischen Namen „Shagbark-Hickory“ erklärt. Ab September reifen die kugeligen Hickory-Nüsse. Ihr grüner Fruchtmantel spaltet sich wie bei der Rosskastanie (nicht verwandt oder verschwägert) in vier Teile und gibt den Kern frei.

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