Berggeschrey im Thesenwald

1735: Im Theesenwalde zwischen Zöblitz und Olbernhau entstand ein zuerst schon 1728 gehörtes Erzgeschrei. Man glaubte nehmlich, die darinn befindlichen Felsen wären voll Silber und Kupfer. Vermittelst der Ruthe, welche früher so oft beym Bergbau den Ausschlag gab, hatte man hier nehmlich Erze vermuthet, und begann auch den bald wieder verlaßnen Bergbau. In Grundau befand sich damals ein Schmidt (=Schmied), welcher sich auch mit dem Schmelzen beschäftigte und gegoßne Arbeit lieferte. Es war ein Reden entstanden, daß das Metall, dessen dieser Schmidt sich bediene, dem Silber gleich komme. Der Schmidt aber stand keinem Fragen Antwort.

Da führte der Zufall den Erbrichter Neubert von Ansprung gerade zu einer Zeit in die Werkstatt dieses kunsterfahrnen Schmidts, wo er im Schmelzen begriffen war. Auf Befragen gestand er nun, daß er Stücken von dem im Theesenwalde befindlichen Felsen abgeschlagen und in den Tiegel geworfen habe, um zu sehen, was daraus werde. Der Schmidt führte auch sofort den Erbrichter an diesen Felsen, schlug wieder ein Stück ab, schmelzte es vor den Augen des Richters und es ergab sich ein Halbmetall (Speise, Gemisch von Metall und Halbmetall). Es wurde hierauf in der Saigerhütte eine Probe gemacht, und das Product gab 128 Loth Silber und sechzig Pfund Kupfer. Ein Pfund von dem Felsen hatte ein Loth gegeben.

Man drängte sich nun zu Muthungen im Theesenwalde, und sechzig Lehnträger versuchten ihr Glück. Der Theesewald wimmelte von Bergleuten. Aber bald ergab es sich, daß das Gebirge im Ganzen nichts als gemeiner Felsen war und nur gewisse graue und blaue Nester sich darinnen fanden, die nicht ganz ohne Silbergehalt waren. Man stellte nun auf Verlangen der Eigenlöhner ein Probeschmelzen im Großen an, welches deutlich bewieß, daß man sich bitter getäuscht habe. Es wurde nun bald ganz still wieder.

Quelle: Geschichte des sächsischen Hochlandes mit besondrer Beziehung auf das Amt Lauterstein von Carl Wilhelm Hering, Leipzig 1828.

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