Klinkerexpress: Bahnhof Bornholmer Straße

Eingangszone auf der Bösenbrücke (Anklicken zum Ankieken)

Der Halberstädter Richard Brademann war für die Berliner Stadtbahn das, was der Schwede Alfred Grenander für die Untergrundbahn der Hauptstadt gewesen ist: ein prägender Baumeister.

Der Sage nach wurde Berlin auf sieben Hügeln errichtet (Kreuzberg, Lichtenberg, Prenzlauerberg, Schöneberg, Charlottenberg, …). Erst am 1. Oktober 1920 sprach der Magistrat: „Es werde Groß-Berlin!“, und aus den sieben Glutnestern wurde eine moderne Großstadt mit vier Millionen Berlinern. Nun brauchte es Infrastruktur, Infrastruktur und nochmal Infrastruktur.

Alfred Grenander entwarf für die Hochbahngesellschaft um die 70 U-Bahnhöfe; Hans Heinrich Müller plante für die BEWAG zahlreiche Abspannwerke und machte aus der Hauptstadt eine Elektropolis. Richard Brademann (1884–1965) aber schuf für die S-Bahn sowohl Umspannwerke als auch S-Bahnhöfe und machte auf diese Weise aus Berlin eine echte Metropolis (Métro hier im Sinne von Stadtbahn).

Das Gleichrichterwerk in der Neuköllner Saalestraße wurde von einem gewitzten Scherzkeks zum S-Bahnhof Rixdorf umdeklariert. Das war vor Jahren.

Brademanns Bauwerke sind über die ganze Stadt verteilt und durch Schienen und Leitungen ununterbrochen miteinander verbunden. Seine markantesten Bahnhofsbauten sind die S-Bahnhöfe Wannsee, Feuerbachstraße und Humboldthain sowie die unterirdischen Tunnelbahnhöfe Oranienburger Straße, Anhalter Bahnhof und Potsdamer Platz. Außerdem gibt es auch noch ein Gleichrichterwerk an der Friedrichstraße, in Halensee, in Rixdorf (siehe Foto) und am Ostkreuz (der Backsteinklotz am Markgrafendamm).

Der Architekt besaß eine Vorliebe für Oberlicht. Das sieht man besonders schön in der Eingangshalle des Bahnhofs am Wannsee. Seine meist polygonalen Laternen nutzen das einfallende Licht der Sonne und lassen dabei gleichzeitig seine Bahnhofsbauten leicht und grazil erscheinen. Brademanns wohl grazilstes Bauwerk ist der S-Bahnhof Bornholmer Straße – wenn man seine wiederhergestellte Fußgängerbrücke am Ostkreuz außer Betracht lässt. Reine Sachlichkeit, kein Steinchen zuviel, und doch ästhetisch.

Der Zugang zu den Bahnsteigen erfolgt, wie so oft, von einer Brücke. Hier ist es die Bösebrücke, volkstümlich gern Bornholmer Brücke genannt. Die Eingangshalle wird von einer pentagonalen Oberlichtlaterne gekrönt, und auch das anschließende Treppenhaus ist sehr licht. Danach hat man zwei Bahnsteige zur Auswahl, entweder man will nordwärts, nach Oranienburg oder Bernau, oder ab in den Süden.

Während der deutschen Teilung war die Bornholmer Straße ein Geisterbahnhof. Bei dem Wort denkt man automatisch an Geisterzüge, die geistesgegenwärtige Geistesgrößen zu irgendwelchen Geisterspielen teleportieren. Aber das war nicht gemeint.
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S-Bahnhof Bornholmer Brücke
Bösebrücke Wedding/Prenzlauer Berg
Entwurf: Richard Brademann
Fertigstellung: 1. Oktober 1935

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