Klinkerexpress: St. Martinskirche Kaulsdorf

Jestatten: St. Martin von Kaulsdorf (Anklicken zum Ankieken)

Bei Kirchen denken viele sogleich ans Mittelalter und Ewiggestrigkeit. Dabei gehören die Gotteshäuser der Gegenwart oft zu den modernsten Gebäuden im Ort. Man denke an Le Corbusiers Kapelle Notre-Dame-du-Haut in Ronchamp oder an die Jubiläumskirche in Rom. In Kaulsdorf steht eine Ziegelsteinkirche des Nachexpressionismus, die Iris Gleichen sucht.

An der unsichtbaren Grenze zwischen Kaulsdorf und Mahlsdorf – in LSDorf sozusagen – steht eine Kirche aus den Zwanzigerjahren: St. Martin zu Kaulsdorf. Den Entwurf lieferten die beiden Architekten Josef Bachem & Heinrich Horvatin, die zuvor schon die expressionistische Kirche St. Augustinus in Berlin-Prenzlauerberg geplant hatten. Doch die Mode hatte sich weiterentwickelt, statt Expressionismus war nun Neue Sachlichkeit angesagt, bauen mit einfachsten geometrischen Formen.

Die Ziegelsichtigkeit wurde von Bachem & Horvatin jedoch beibehalten. Laut Gemeinde-Webseite stammen die verwendeten Ziegelsteine vom Alexanderplatz. Dort wurden Ende der Zwanziger Jahre die ambitionierten Umbaupläne des Großstadtbaurates Martin Wagner („Der Weltstadtplatz ist kein Kleinstadtplatz“) umgesetzt und zahlreiche Häuser abgerissen, darunter das Haus mit den 99 Schafsköpfen von 1738 von Georg Christian Unger, der auch die beiden Döme am Gendarmenmarkt konzipiert hatte. Das historische Gasthaus war Heinrich von Kleists letzte Herberge gewesen, bevor er sich am Kleinen Wannsee aus dem Leben verabschiedete. Durch das Ziegelrecycling existiert ein Teil des alten Alexanderplatzes nun in Kaulsdorf weiter.

„Um ein eigenes Gotteshaus bauen zu können, wurde am 7. Juli 1925 das Grundstück des ehemaligen Ausflugslokals „Zum wilden Eber“ erworben. Mit unverputzten Klinkersteinen vom Alexanderplatz, viel Eigenleistung der Gemeinde, 170.000 Mark Spendengeldern und dem persönlichen Einsatz des Pfarrers Alois Schölzel, der in ganz Deutschland „Bettelpredigten“ hielt, entstand die Kirche.“ (Quelle)

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St.-Martins-Kirche Berlin-Kaulsdorf
Giesestraße 47, Ecke Nentwigstraße in Kaulsdorf/Mahlsdorf
Entwurf: Josef Bachem & Heinrich Horvatin
Grundsteinlegung : 7. Juli 1929
Kirchenweihe: 3. August 1930
Homepage: www.st-martin-kaulsdorf.de

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