RIP: Tony Allen (1940-2020)

Ambient-Erfinder Brian Eno nannte ihn mal „den vielleicht größten Schlagzeuger, der je gelebt hat“. Als er Fela Kutis Band Africa ’70 nach einem Zerwürfnis mit dem Bandleader verließ, brauchte der vier einzelne Drummer, um die Lücke zu füllen.

Tony Allen kam am 12. August 1940 in Nigerias Hauptstadt Lagos zur Welt. Das Schlagzeugspielen hatte er sich selbst beigebracht, indem er die Platten der Bebop-Legenden Max Roach und Art Blakey studierte. Über einen Zeitraum von mehr als zehn Jahren erschuf er gemeinsam mit Fela Kuti den Afrobeat. Sein polyrhythmisches Schlagzeugspiel klingt oft, als würden zwei Trommler geschmeidig miteinander jammen. Das faszinierte auch westliche Musiker wie Damon Albarn, der ihn in seiner Formation The Good, The Bad & The Queen engagierte. Nun ist Tony Allen in Paris gestorben.

NACHTRAG

Ein Aspekt wurde in all den Nachrufen, die ohnehin voneinander abgekupfert sind (meiner auch), vergessen: der Einfluss Allens auf die Musik von James Brown. Richtig gelesen, der Hardest working Man in Showbiz inspirierte nicht nur Soul, Funk und Hip-Hop, nein, der Godfather of Funk ließ sich hin und wieder auch mal von anderen inspirieren. In seiner Autobiografie schreibt er über seinen Nigeria-Besuch vom Dezember 1970:

„Als wir in Lagos waren, besuchten wir auch Fela Ransom Kutis Club, den Afro-Spot, um ihn und seine Band zu hören. Seine Band hatte einen stark ausgeprägten Rhythmus. Ich glaube, Clyde [Stubblefield] hat bei seinem Schlagzeugspiel etwas davon angenommen. And Bootsy [Collins] dug it, too. Einige der Ideen, die meine Band von dieser Band übernahm, waren ursprünglich von mir ausgegangen, aber das fand ich in Ordnung. Es machte die Musik nur stärker.“

Tony Allen erinnerte sich ebenfalls an diesen musikhistorischen Moment, allerdings etwas präziser. Angeblich hatte James Brown seinen Arrangeur David Mathews auf ihn angesetzt: „Er beobachtete die Bewegungen meiner Arme und meiner Beine und machte sich Notizen… Sie übernahmen eine Menge von Fela, als sie nach Nigeria kamen.“

Seine letzte Veröffentlichung ist das im März erschienene Album „Rejoice“ – eine Zusammenarbeit mit dem südafrikanischen Trompeter Hugh Masekela, der im Januar 2018 gestorben war.

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