Die erste Studentenkomödie

Titelseite der Studentes von 1551

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Im Jahr 1545 schrieb ein fast 20-jähriger Student die erste Studentenkomödie der Weltliteratur. Die „Komödie aus dem Studentenleben“ des Christoph Stummel wurde sowohl als aufgeführtes Theaterstück als auch als gedrucktes Lesestück ein großer Erfolg. Das Lustspiel ist nun wieder erschienen.

Im Jahr 1549 übernahm der Buchdrucker Johann Eichorn aus Nürnberg die Frankfurter Universitätsdruckerei des Nicolas Wolrab. Die Druckerei befand sich im ehemaligen Franziskanerkloster, in praktischer Nachbarschaft zum Kollegienhaus der Alma Mater Viadrina. Eines der ersten Bücher, vielleicht sogar das erste, das Johann Eichorn noch im gleichen Jahr druckte, war eine Komödie. Autor des Lustspiels war ein Frankfurter Jung namens Christoph Stummel.

Stummel war der Sohn eines wohlhabenden Kaufmanns aus der Oderstadt. Im zarten Alter von zwölf Jahren immatrikulierte er an der Viadrina, wo er vor allem die toten Sprachen Alt-Griechisch und Neu-Latein studierte. Als 19-jähriger Student war Stummel bereits so gewandt, dass er ein selbstverfasstes Drama in lateinischer Sprache niederschreiben konnte: STVDENTES, comœdia de vita studiosorum (=Die Studenten, eine Komödie aus dem Studentenleben).

Titelseite der Studentes von 1549

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Zur Inhaltsangabe: Den wohlhabenden Philargyrus (=der Geldliebende) plagen große Sorgen, die ihn nicht schlafen lassen. Sein Sohn Philomates (=der Gernlerner) möchte unbedingt an die Universität und die Weltweisheit studieren. Das kostet Geld, viel Geld, und das möchte der alte Geizkragen keinesfalls spendieren. Seine hinzugezogenen Nachbarn reden ihm ordentlich ins Gewissen, denn Philomates ist ein kluger Kopf und zeigt großes Talent. Als Kompromiss schicken die beiden Nachbarn ihre Söhne Akrates und Akolastus ebenfalls mit auf die Universität. Dort angekommen, trennt sich ziemlich schnell die Spreu vom Weizen. Während Philomates eifrig die Vorlesungen besucht und bald schon keine Rolle mehr spielt, geraten seine trinkfreudigen Kommilitonen in den Fokus und bestimmen fortan die Handlung. Die beiden Erstsemester erliegen sogleich den Verlockungen des Studentenlebens. Akrates bringt sein Geld mit zweifelhaften Vergnügungen durch und verschuldet sich, Akolastus schwängert die Tochter des Gastgebers und ist nun gezwungen, sie zu heiraten. Schließlich machen sich die Väter der beiden auf, um das bunte Treiben ihrer Söhne zu beenden.

Die Komödie vom Studenten für Studenten orientierte sich u.a. am biblischen Gleichnis vom verlorenen Sohn und an der Schulkomödie ACOLASTVS des niederländischen Humanisten Willem de Volder. STVDENTES wurde erstmals 1545 aufgeführt und nahm bereits viele Zutaten moderner Studentenkomödien vorweg. Einer von Stummels Professoren, Jodocus Willich, überredete ihn schließlich, die Textfassung des Theaterstücks in den Druck zu geben und vermittelte ihn an die Universitätsdruckerei des 25-jährigen Johann Eichorn.

Titelseite der Studentes von 1593

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Schon 1550 konnte Drucker Eichorn die zweite Edition in Angriff nehmen, im Jahr 1554 gab es eine weitere Ausgabe aus Frankfurt a/Oder. Das Buch erlebte zwischen 1551 (Antwerpen) und 1614 (Magdeburg) europaweit über zwanzig Editionen. Der Text diente dabei vor allem als unterhaltsame Lektüre für den Lateinunterricht – natürlich mit dem moralischen Fingerzeig: Das passiert, wenn du vom Weg abkommst und nicht artig studierst.

Durch den Dreißigjährigen Krieg geriet Stummels Lustspiel mehr oder weniger in Vergessenheit. Im Jahr 1771 veröffentlichte Johann Adolph Hermstädt in Fulda eine erste Übertragung ins Deutsche, 1857 folgte eine weitere von F. Hermann Meyer. Im 1926 lieferte Fritz Richard Lachmann für seine Dissertation an der Uni Leipzig eine philologisch korrekte Übersetzung. Die Prosafassung von Hermstädt wurde jetzt von mir wieder aufgelegt und ist mit ISBN im Buchhandel bestellbar.

STVDENTES – Die Studenten.
Ein Lustspiel in fünf Aufzügen.
Autor: Christoph Stummel
Herausgeber: Alexander Fromm
Gestaltung & Layout: André Schulz
Format: Taschenbuch
ISBN 978-3754923306.

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